Nach einer Operation und Chemotherapie bei Darmkrebs umfassen Strategien zur Rezidivprophylaxe ein strukturiertes körperliches Training, gezielte Aspirin-Gabe, ctDNA-Tests, Vitamin-D-Spiegel Korrektur, gesunde Ernährung und ausgewählte Phytotherapie. In der CHALLENGE-Studie erhöhte Bewegung das Gesamtüberleben von 83 % auf 90 %. Aspirin reduzierte das Rezidivrisiko bei PI3K-veränderten Tumoren, während ctDNA die Risikobewertung verfeinerte. Diese Optionen helfen Betroffenen dabei, evidenzbasierte Nachsorge und langfristige Genesung zu priorisieren.
Ein Patient wurde wegen eines Darmkrebses operiert. Der Tumor konnte operativ entfernt werden. Allerdings wurden Krebszellen in einem nahegelegenen Lymphknoten nachgewiesen, wodurch die Erkrankung als Stadium III eingestuft wurde. Der Patient erhielt daraufhin eine adjuvante Chemotherapie, um die verbliebenen Krebszellen zu eliminieren. Nach Abschluss der Chemotherapie fragen sich viele Betroffene, ob sie noch etwas tun können, um das Risiko eines Rückfalls zu senken oder sich von therapiebedingten Nebenwirkungen zu erholen. In diesem Artikel stellen wir verschiedene Nachsorgestrategien vor, die auf aktuellen Forschungsergebnissen basieren.
Bevor wir fortfahren, möchten wir kurz erläutern, welche Art von Evidenz wir priorisiert haben. Wir konzentrierten uns auf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die den stärksten Nachweis für Ursache und Wirkung liefern. Wir schlossen auch prospektive Kohortenstudien ein, die Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg begleiten. Retrospektive Beobachtungsstudien, die bereits vorhandene Daten auswerten, haben wir vermieden, da die verglichenen Gruppen möglicherweise nicht wirklich vergleichbar sind. Beispielsweise könnten Personen, die eine Intervention erhalten haben, bereits gesünder, wohlhabender oder besser unterstützt sein – ein Problem, das als Confounding bezeichnet wird.
Darmkrebs-Nachsorge: 6 evidenzbasierte Strategien
Strategie Nr. 1: Strukturierte körperliche Übungen
Die beste Strategie ist eine der einfachsten: Bewegung. An der kürzlich durchgeführten CHALLENGE-RCT nahmen 889 Darmkrebsüberlebende teil, die eine Operation und eine adjuvante Chemotherapie abgeschlossen hatten. Etwa 90 % befanden sich im Stadium III. Die Teilnehmenden wurden zufällig entweder einer Gruppe zugeteilt, die ausschließlich Informationsmaterial zur Gesundheitsaufklärung erhielt, oder einer Gruppe, die ein dreijähriges Bewegungsprogramm absolvierte.
Ziel war es, wöchentlich mindestens 10 MET-Stunden (Metabolic Equivalent of Task) durch Freizeitaktivitäten zu absolvieren – das entspricht etwa 45–60 Minuten zügigem Gehen drei- bis viermal pro Woche. Die Teilnehmenden wurden von einem zertifizierten Fitnesstrainer betreut, nahmen in den ersten sechs Monaten an angeleiteten Trainingseinheiten teil und erhielten über drei Jahre hinweg kontinuierliche Unterstützung. Sie konnten Art, Häufigkeit und Dauer der Ausdaueraktivitäten selbst wählen, sodass das Programm an Ihre individuellen Vorlieben angepasst werden konnte und eine langfristige Einhaltung sichergestellt werden konnte.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,9 Jahren betrug das krankheitsfreie Fünfjahresüberleben 80,3 % in der Bewegungsgruppe gegenüber 73,9 % in der Gruppe mit Gesundheitsaufklärung – ein absoluter Unterschied von 6,4 Prozentpunkten. Auch das Gesamtüberleben war in der Bewegungsgruppe besser: Das Achtjahresüberleben lag bei 90,3 % gegenüber 83,2 % (Abbildung 1).
Abbildung 1. Strukturiertes Training nach der Therapie verbesserte die Langzeitergebnisse bei Patienten mit Darmkrebs in der CHALLENGE-RCT. (A) Nach fünf Jahren waren 80,3 % der Patienten in der Trainingsgruppe rezidivfrei und ohne Auftreten eines neuen Primärtumors, verglichen mit 73,9 % in der Gruppe mit Gesundheitsaufklärung – ein Unterschied von 6,4 Prozentpunkten. (B) Nach acht Jahren betrug das Gesamtüberleben 90,3 % mit Training gegenüber 83,2 % mit Gesundheitsaufklärung, ein Unterschied von 7,1 Prozentpunkten. Quelle: Courneya et al. (2026), New England Journal of Medicine.
Interessanterweise hing der Nutzen nicht vom Gewichtsverlust ab. Körpergewicht und Taillenumfang veränderten sich zwischen den Gruppen kaum, obwohl sich die kardiorespiratorische Fitness, die Gehfähigkeit und die körperliche Leistungsfähigkeit in der Gruppe mit strukturiertem Training verbesserten. Dies deutet darauf hin, dass Bewegung den Krankheitsverlauf bei Krebs auch über Mechanismen beeinflussen kann, die über die bloße Gewichtskontrolle hinausgehen, beispielsweise durch eine verbesserte Insulinsensitivität, eine Reduktion von Entzündungen und eine stärkere Immunabwehr.
Es ist anzumerken, dass die sportliche Betätigung nicht völlig risikofrei war. In dieser randomisierten kontrollierten Studie (RCT) traten Beschwerden des Bewegungsapparates im Rahmen des strukturierten Trainings häufiger auf als im Rahmen der Gesundheitsaufklärung (18,5 % vs. 11,5 % der Teilnehmenden). Die meisten dieser Beschwerden waren jedoch leicht bis mittelschwer. Beschwerden des Schweregrades 3 oder höher traten nur bei drei Teilnehmenden der Trainingsgruppe (0,7 %) und bei einem Teilnehmenden der Aufklärungsgruppe (0,2 %) auf. Das wichtigste Sicherheitssignal war somit ein geringfügiger Anstieg nicht schwerwiegender Muskel- oder Gelenkbeschwerden und kein substanzielles Risiko schwerer Verletzungen.
Bewegung kann auch die Genesung unterstützen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2026, die 22 randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) mit 1.676 Darmkrebsüberlebenden umfasste, zeigte, dass Bewegung die Lebensqualität verbesserte, und Müdigkeit, Depressionen und Angstzustände reduzierte. Die positiven Effekte schienen am deutlichsten bei strukturierten, moderat intensiven Programmen mit professioneller oder telemedizinischer Betreuung aufzutreten. Eine umfassendere Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, die verschiedene Krebsarten einbezog, fand ebenfalls Evidenz mittlerer bis hoher Sicherheit dafür, dass Bewegung die körperliche Leistungsfähigkeit, die Lebensqualität sowie therapiebedingte Nebenwirkungen wie Kardiotoxizität, kognitive Beeinträchtigungen, Neuropathie und Dyspnoe (Atemnot) verbessern kann.
Bewegung kann auch während einer Chemotherapie hilfreich sein, obwohl die Evidenz hierzu begrenzt ist. Eine systematische Übersichtsarbeit über acht randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit 552 Patienten mit kolorektalem Karzinom unter Chemotherapie zeigte geringfügige Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität sowie eine moderate Reduktion der Müdigkeit. Es wurden keine sportbedingten Nebenwirkungen berichtet. Allerdings waren die meisten RCTs klein und schlossen gebrechliche Patienten aus. Daher sollte die körperliche Aktivität während der Therapie an die Symptome und die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst sowie mit dem onkologischen Behandlungsteam abgestimmt werden.
Insgesamt sprechen die Studienergebnisse eindeutig für strukturiertes Training bei Krebspatienten, die medizinisch dazu in der Lage sind. Auch die American Cancer Society empfiehlt ab der Diagnose ein individuell abgestimmtes körperliches Aktivitätsprogramm. Für die meisten Betroffenen besteht das langfristige Ziel darin, die wöchentliche Belastung schrittweise auf 150–300 Minuten moderate oder 75–150 Minuten intensive körperliche Aktivität zu steigern, ergänzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Strategie Nr. 2: Aspirin bei PI3K-veränderten Tumoren
Diese Strategie ist selektiver. Aspirin kann das Wiederauftreten von Tumoren bei Patienten mit kolorektalen Tumoren, die Mutationen im PI3K-Signalweg aufweisen, der am Zellüberleben beteiligt ist, verringern. Die Begründung dafür ist, dass Krebszellen mit verändertem PI3K-Signalweg möglicherweise stärker auf die entzündlichen Signale der Cyclooxygenase-2 (COX-2) angewiesen sind, um zu wachsen und zu überleben. Durch die Blockierung von COX-2 kann Aspirin die Fähigkeit verbleibender Krebszellen, zu überleben, sich auszubreiten oder erneut aufzutreten, schwächen.
Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus der ALASCCA-RCT mit Patienten mit reseziertem Kolonkarzinom in Stadium II–III oder mit Rektumkarzinom in Stadium I–III. Die Tumoren wurden auf Hotspot-Mutationen in den Genen PIK3CA, PIK3R1 oder PTEN untersucht. Solche Mutationen wurden bei 1.103 von 2.980 Patienten (~37 %) mit vollständigen Genomdaten gefunden. Insgesamt 626 geeignete Patienten wurden anschließend randomisiert einer Behandlung mit einmal täglich 160 mg Aspirin oder Placebo über drei Jahre nach der Operation zugeteilt. Aspirin konnte je nach lokaler Praxis auch begleitend oder nach einer adjuvanten Chemotherapie verabreicht werden.
Bei Patienten mit PIK3CA-Hotspot-Mutationen (Gruppe A) lag die Rezidivrate nach 3 Jahren unter Aspirin-Therapie bei 7,7 % im Vergleich zu 14,1 % unter Placebo. Ein ähnliches Muster zeigte sich bei Patienten mit anderen Veränderungen des PI3K-Signalwegs (Gruppe B): Rezidive traten unter Aspirin in 7,7 % und unter Placebo in 16,8 % der Fälle auf (Abbildung 2). Aspirin führte somit zu etwa halb so vielen Rezidiven. Die randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) schätzte, dass die Behandlung von 13 Patienten über drei Jahre hinweg ein Rezidiv verhindern würde, wenn beide molekularen Gruppen zusammengefasst würden. In der stadienbezogenen Analyse betrug die «Number Needed to Treat (NNT)» 42 für Kolonkarzinome im Stadium II, 9 für Kolonkarzinome im Stadium III, 22 für Rektumkarzinome im Stadium I, 12 für Rektumkarzinome im Stadium II und 6 für Rektumkarzinome im Stadium III.
Abbildung 2. Aspirin reduzierte das Rezidivrisiko bei kolorektalem Karzinom in der ALASCCA-RCT bei Patienten mit PI3K-veränderten Tumoren. (A) Bei Patienten mit häufigen PI3KCA-Hotspot-Mutationen betrug die Rezidivrate nach 3 Jahren 7,7 % unter Aspirin gegenüber 14,1 % unter Placebo. (B) Bei Patienten mit anderen Veränderungen des PI3K-Signalwegs lag die Rezidivrate bei 7,7 % gegenüber 16,8 %. In beiden Abbildungen zeigt die untere blaue Linie, dass sich in der Aspirin-Gruppe im Laufe der Zeit seltener Rezidive bildeten. Quelle: Martling et al. (2025), New England Journal of Medicine.
Eine wichtige Anmerkung: Aspirin ist nicht risikofrei. Schwere Nebenwirkungen traten bei 16,8 % der Aspirin-Anwender und bei 11,6 % der Placebo-Anwender auf; gastrointestinale Komplikationen traten in der Aspirin-Gruppe häufiger auf. Lebensbedrohliche Ereignisse waren jedoch in beiden Gruppen mit 0,6 % gleich selten, obwohl ein Todesfall in der Aspirin-Gruppe möglicherweise mit der Einnahme von Aspirin in Zusammenhang stand. Erfreulicherweise war das Fünf-Jahres-Gesamtüberleben in der Aspirin-Gruppe weiterhin besser (91,6 % vs. 90,1 % in Gruppe A und 93,0 % vs. 89,7 % in Gruppe B), allerdings war keiner der Unterschiede statistisch signifikant. Dies liegt vor allem daran, dass die Stichprobengröße der randomisierten kontrollierten Studie (RCT) darauf ausgelegt war, Unterschiede im Rezidivrisiko und nicht in der Mortalität zu erfassen, und dass zu wenige Todesfälle für einen verlässlichen Vergleich aufgetreten sind.
Die Entscheidung hängt also nicht allein davon ab, ob Aspirin wirkt, sondern davon, ob der potenzielle Nutzen die Blutungs- und anderen Risiken für den jeweiligen Patienten überwiegt. Aspirin ist möglicherweise ungeeignet für Menschen mit vorangegangenen Magen-Darm-Blutungen oder Magengeschwüren, aktiver Gastritis, niedriger Thrombozytenzahl, Aspirinallergie, unkontrolliertem Bluthochdruck oder schwerer Nierenerkrankung. Es wird auch nicht empfohlen für Patienten, die bereits Antikoagulanzien oder andere Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen.
Die Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) für 2026 empfehlen nun Folgendes: Bei reseziertem Kolonkarzinom in den Stadien II und III sollte die Analyse des PI3K-Signalwegs erfolgen, wenn eine Aspirin-Therapie zur Reduktion des Rezidivrisikos erwogen wird. Aspirin ist somit eines der überzeugendsten Beispiele für eine präzise Nachsorge bei Kolonkarzinom. Es handelt sich um ein kostengünstiges und leicht verfügbares Medikament, das die Rezidivrate bei einer Untergruppe von Patienten mit PI3K-veränderten Tumoren halbieren kann. Die Anwendung sollte jedoch erst nach einer entsprechenden genetischen Tumoranalyse und Rücksprache mit dem onkologischen Team erwogen werden.
Strategie Nr. 3: Test auf zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA)
Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) bezeichnet winzige Fragmente von Krebs-DNA, die aus dem ursprünglichen Tumor in den Blutkreislauf gelangen. Nach einer Operation kann ein positiver ctDNA-Nachweis mikroskopische Resttumoren aufdecken, die in bildgebenden Verfahren noch zu klein sind, um sichtbar zu sein.
Die DYNAMIC-III-RCT liefert im Jahr 2025 entscheidende Belege für den klinischen Nutzen zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA). An dieser RCT nahmen 968 Patienten mit reseziertem Kolonkarzinom im Stadium III teil. Die ctDNA wurde fünf bis sechs Wochen nach der Operation gemessen. Anschließend wurden die Patienten randomisiert einer ctDNA-gesteuerten Therapie oder einer Standardtherapie zugeteilt. In der ctDNA-gesteuerten Gruppe erhielten ctDNA-negative Patienten eine weniger intensive Chemotherapie, während ctDNA-positive Patienten eine intensivere Chemotherapie erhielten.
Das Ergebnis war für die Prognose äußerst aussagekräftig. Nach 3 Jahren waren 87 % der ctDNA-negativen Patienten rezidivfrei, gegenüber nur 49 % der ctDNA-positiven Patienten. Bei den initial ctDNA-positiven Patienten hing der klinische Verlauf stark davon ab, ob die Chemotherapie die ctDNA eliminierte: Das rezidivfreie Überleben nach drei Jahren betrug 79 %, wenn die ctDNA verschwunden war, aber nur 14 %, wenn sie nach der Chemotherapie weiterhin nachweisbar war.
Die schwierigere Frage ist, ob ctDNA die Chemotherapie steuern sollte. In dieser randomisierten kontrollierten Studie (RCT) erhielten ctDNA-negative Patienten eine weniger intensive Chemotherapie, wodurch der Oxaliplatin-Einsatz von 88,6 % auf 34,8 % und die chemotherapiebedingten Krankenhausaufenthalte von 13,2 % auf 8,5 % sanken. Das rezidivfreie Überleben nach drei Jahren war jedoch bei ctDNA-gesteuerter Deeskalation etwas niedriger als bei Standardtherapie (85,3 % vs. 88,1 %). Somit konnte die RCT die ausreichende Sicherheit einer reduzierten Chemotherapie nur knapp nicht bestätigen. Auch die Chemotherapie-Eskalation bei ctDNA-positiven Patienten führte nicht zu einer Verbesserung der Ergebnisse: Das rezidivfreie Überleben nach zwei Jahren betrug 51 % bei Eskalation gegenüber 61 % bei Standardtherapie (Abbildung 3).
Abbildung 3. Anteil der Patienten, die im Verlauf der DYNAMIC-III-RCT rezidivfrei blieben. (A) Bei ctDNA-negativen Patienten betrug das rezidivfreie Überleben (RFS) nach 3 Jahren 85,3 % bei deeskalierter Chemotherapie gegenüber 88,1 % bei Standardtherapie. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant, da das 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) für die absolute Differenz die Null einschloss (−8,0 % bis 2,3 %). (B) Auch bei ctDNA-positiven Patienten führte eine Eskalation der Chemotherapie nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Ergebnisse: Das RFS nach zwei Jahren betrug 51,1 % gegenüber 60,8 % mit Standardtherapie, jedoch schloss das 95%-KI für die Hazard Ratio (HR) 1,0 ein (0,87–1,53). Quelle: Tie et al. (2025), Nature Medicine.
Andere Studien deuten in dieselbe Richtung. In einer prospektiven Kohortenstudie mit 1.039 Patienten mit Kolorektalkarzinom im Stadium II–IV traten bei 61,4 % der Patienten Rezidive auf, wenn vier Wochen nach der Operation der ctDNA-Befund positiv war, im Vergleich zu nur 9,5 % bei ctDNA-negativen Patienten. Bei ctDNA-positiven Patienten war eine adjuvante Chemotherapie mit deutlich besseren Ergebnissen assoziiert. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei ctDNA-negativen Patienten kein eindeutiger Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie. Da die Chemotherapie jedoch nicht randomisiert zugeteilt wurde, kann diese Studie nicht belegen, dass bei negativem ctDNA-Befund auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann.
Eine weitere bemerkenswerte Studie ist die kleinere, nicht randomisierte PEGASUS-RCT, in der ctDNA zur Steuerung der Chemotherapie bei 135 Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III oder im Hochrisiko-Stadium II eingesetzt wurde. CtDNA-negative Patienten erhielten Capecitabin allein, während ctDNA-positive Patienten CAPOX (Capecitabin und Oxaliplatin) erhielten. Obwohl 88 % der ctDNA-negativen Patienten nach zwei Jahren rezidivfrei blieben, erreichte die Studie nicht den vordefinierten Zielwert für die Bestätigung der ausreichenden Sicherheit einer Deeskalation der Chemotherapie. Bei den behandelten ctDNA-positiven Patienten war das Rückfallrisiko nach zwei Jahren weiterhin höher als bei den ctDNA-negativen Patienten (61,5 % vs. 87,6 %), was darauf hindeutet, dass ctDNA-Positivität auch nach Standardchemotherapie ein Risikomarker bleibt.
Obwohl ctDNA ein aussagekräftiger Marker für das Rezidivrisiko ist, hat sie sich noch nicht als etabliertes Instrument zur Anpassung der Chemotherapie bei Darmkrebs bewährt. Ein negatives ctDNA-Ergebnis sollte derzeit nicht zur Deeskalation der Chemotherapie führen, da der Nutzen zwar vielversprechend, aber noch nicht gesichert ist. Ein positives ctDNA-Ergebnis hingegen sollte eher eine engmaschigere Überwachung und die Prüfung in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) nach sich ziehen, anstatt die Chemotherapie einfach zu intensivieren, was offenbar keinen Nutzen bringt.
Strategie Nr. 4: Behebung eines Vitamin-D-Mangels
Vitamin D hat im Zusammenhang mit Darmkrebs Interesse geweckt, da Laborstudien darauf hindeuten, dass seine aktive Form das Wachstum von Krebszellen hemmen und entzündungsfördernde Signalwege unterdrücken kann. Die aussagekräftigsten klinischen Belege stammen aus der AMATERASU-RCT, in die 417 Patienten nach einer Operation aufgrund von Tumoren des Verdauungstrakts in den Stadien I–III eingeschlossen wurden. Etwa 48 % der Patienten litten an Darmkrebs, davon 30 % im Stadium III. Alle Patienten mit Darmkrebs im Stadium III erhielten eine adjuvante Chemotherapie. Die Studienteilnehmer wurden randomisiert einer Gruppe mit 2.000 IE Vitamin D₃ pro Tag oder einer Placebo-Gruppe zugeteilt. Die Einnahme begann zwei bis vier Wochen nach der Operation und dauerte bis zum Studienende.
Nach fünf Jahren waren 77 % der mit Vitamin D₃ behandelten Patienten rezidivfrei, gegenüber 69 % in der Placebogruppe. Dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Interessanterweise zeigte sich ein Nutzen bei Patienten mit unzureichenden Ausgangswerten des Vitamin-D-Spiegels (20–40 ng/ml). In dieser Subgruppe betrug das rezidivfreie Fünfjahresüberleben unter Vitamin D₃ 85 % gegenüber 71 % unter Placebo. Bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) wurde kein Nutzen beobachtet. Die Studienautoren vermuteten daher, dass 2.000 IE Vitamin D₃ pro Tag möglicherweise nicht ausreichten, um einen schwereren Mangel zu beheben (Abbildung 4).
Die Langzeitsupplementierung mit Vitamin D₃ wurde in dieser randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) im Allgemeinen gut vertragen. Frakturen traten bei 1,3 % der Patienten in der Vitamin-D₃-Gruppe auf, gegenüber 3,4 % in der Placebo-Gruppe. Harnsteine wurden bei 0,9 % der Patienten beobachtet, in der Placebo-Gruppe hingegen nicht. Es wurde keine Hyperkalzämie berichtet.
Abbildung 4. Die Vitamin-D₃-Supplementierung erwies sich bei Patienten mit einem Vitamin-D-Mangel von 20–40 ng/ml zu Studienbeginn als vorteilhaft. (A) In dieser Subgruppe hatten Patienten, die Vitamin D₃ einnahmen, ein um 54 % geringeres Risiko für einen Rückfall oder den Tod als Patienten, die ein Placebo erhielten. (B) Bei Patienten mit einem schwereren Vitamin-D-Mangel (unter 20 ng/ml) verbesserte die Supplementierung die Ergebnisse nicht. Quelle: Urashima et al. (2019), Journal of the American Medical Association (JAMA).
Beobachtungsstudien stützen ebenfalls die Rolle von Vitamin D als Marker für ein besseres Überleben. In einer Studie mit 1.437 Patienten, die an einem großen randomisierten kontrollierten Trial (RCT) zur Chemotherapie bei Dickdarmkrebs im Stadium III teilnahmen, wiesen 13 % einen schweren Vitamin-D-Mangel (unter 12 ng/ml) auf. Im Vergleich zu Patienten mit Mangel hatten diejenigen ohne Mangel ein um 32 bis 43 % geringeres Risiko für ein Rezidiv oder den Tod. Eine größere prospektive Kohortenstudie mit mehr als 6.000 Patienten mit kolorektalem Karzinom ergab zudem ein besseres krebsspezifisches und Gesamtüberleben bei Patienten mit höheren Vitamin-D-Spiegeln.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Einnahme von Vitamin D₃ zwar keine etablierte Therapie zur Vorbeugung eines erneuten Auftretens von Darmkrebs darstellt, die Überprüfung des Vitamin-D-Spiegels und die Behebung eines Mangels jedoch sinnvoll sind. Eine Standardsubstitution ist kostengünstig und in der Regel unbedenklich. Darüber hinaus ist Vitamin D wichtig für die Gesunderhaltung von Knochen und Muskeln, sowie des Hormon-Haushalts und des Immunsystems.
Strategie Nr. 5: Eine gesunde Ernährung sicherstellen
Im Gegensatz zu früheren Strategien konnte in keiner randomisierten kontrollierten Studie (RCT) nachgewiesen werden, dass eine bestimmte Diät das Wiederauftreten von Darmkrebs verhindern kann. Die aussagekräftigsten Ergebnisse stammen aus prospektiven Beobachtungsstudien, in denen Patienten ihre Ernährungsgewohnheiten vor einem Rezidiv dokumentierten. Eine große Studie begleitete 1.009 Patienten mit reseziertem Darmkrebs im Stadium III, die an der Chemotherapie-RCT der Alliance-Studie teilnahmen. Anstatt unterschiedliche Diäten vorzugeben, beobachtete diese Studie, wie sich Patienten mit unterschiedlichen Ernährungsmustern im Verlauf der Studie entwickelten.
Die Studie identifizierte zwei Ernährungsmuster. Das „gesunde“ Muster umfasste mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Geflügel und Fisch. Das „westliche“ Muster umfasste mehr rotes und verarbeitetes Fleisch, raffinierte Getreideprodukte, Süßspeisen, fettreiche Milchprodukte und Pommes frites. Verglichen mit Patienten, die sich am wenigsten westlich ernährten, hatten diejenigen, die sich am meisten westlich ernährten, ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für ein Rezidiv oder den Tod (Abbildung 5). Im Gegensatz dazu war eine stärkere Orientierung am gesunden Muster nicht signifikant mit einem Krebsrezidiv assoziiert.
Dies bedeutet nicht, dass Gemüse, Obst oder Vollkornprodukte unvorteilhaft sind. Vielmehr konnte die Studie die potenziellen Schäden einer insgesamt westlichen Ernährungsweise besser aufzeigen als den Nutzen einer einzelnen „gesunden“ Ernährungsweise. Der Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung von Tumorstadium, Lymphknotenbefall, Chemotherapie, Body-Mass-Index, körperlicher Aktivität, Kalorienzufuhr und Gewichtsveränderung bestehen. Dennoch handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die auf Selbstangaben zur Ernährung basiert. Daher kann sie nicht beweisen, dass eine Ernährungsumstellung nach der Chemotherapie das Rückfallrisiko direkt senkt.
Abbildung 5. Westliche Ernährungsmuster und Behandlungsergebnisse nach einem Kolonkarzinom im Stadium III. Die Patienten wurden in fünf Gruppen eingeteilt, von der niedrigsten bis zur höchsten Zufuhr westlicher Ernährungsmuster. Nach Berücksichtigung von Tumor-, Behandlungs- und Lebensstilfaktoren hatten die Patienten der höchsten Gruppe ein 3,25-fach erhöhtes Risiko für ein Rezidiv oder den Tod, ein 2,85-fach erhöhtes Risiko für ein Rezidiv sowie ein 2,32-fach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zur niedrigsten Gruppe. Das Risiko stieg insgesamt mit zunehmender Zufuhr westlicher Ernährungsmuster. Quelle: Meyerhardt et al. (2007), Journal of the American Medical Association (JAMA).
Zwei ähnliche Analysen derselben randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) der Alliance-Kohorte zu Darmkrebs im Stadium III untersuchten spezifische Lebensmittel. In einer Studie war der Konsum von vier oder mehr Tassen Kaffee pro Tag mit einem um 42 % geringeren Risiko für ein Rezidiv oder den Tod verbunden als der Verzicht auf Kaffee. Eine weitere Analyse zeigte, dass Patienten, die mindestens zwei Portionen Nüsse pro Woche verzehrten, ein um 42 % geringeres Risiko für ein Rezidiv oder den Tod aufwiesen. Dieser Zusammenhang wurde hauptsächlich bei Baumnüssen (z. B. Walnüssen, Mandeln und Cashewnüssen), weniger bei Erdnüssen oder bei Erdnussbutter beobachtet. Mögliche Gründe hierfür könnten die in Kaffee und Nüssen enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe sein, die die Insulinregulation, die Entzündungshemmung und die antioxidative Wirkung verbessern können.
Der Verzicht auf westliche Ernährungsgewohnheiten ist eine sinnvolle und risikoarme Strategie, auch wenn es keine kausalen Belege dafür gibt, dass ein Wiederauftreten der Krankheit direkt verhindert. Die American Cancer Society empfiehlt eine pflanzenreiche Ernährung mit gesunden Proteinquellen wie Fisch, Geflügel oder Linsen. Sie rät außerdem, den Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch, raffiniertem Getreide, Zucker, Alkohol sowie stark verarbeiteten Lebensmitteln einzuschränken. Auch die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts wird empfohlen.
Strategie Nr. 6: Komplementäre Phytotherapie
Phytotherapie bezeichnet die therapeutische Anwendung pflanzlicher Wirkstoffe. Sie zählt typischerweise zur Komplementärmedizin und wird begleitend zur konventionellen Therapie eingesetzt. Die meisten randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zur Phytotherapie untersuchten, ob solche Produkte therapiebedingte Symptome lindern können. Einige wenige RCTs prüften auch, ob sie die Rezidivrate von Krebs vermindern können.
Beispiele hierfür sind:
- Curcumin: In einer kleinen RCT wurde Curcumin (2 g pro Tag) in Kombination mit einer Oxaliplatin-basierten Chemotherapie bei 28 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom untersucht. Curcumin erwies sich als sicher, verbesserte jedoch weder die Lebensqualität noch reduzierte es die Neurotoxizität der Platin-basierten Chemotherapie. Eine weitere RCT zeigte, dass Curcumin (3 mg/kg zweimal täglich) die Inzidenz der Vincristin-induzierten Neuropathie bei Kindern mit Leukämie verringerte (39,4 % vs. 70,0 % unter Placebo). Die Vincristin-Neuropathie unterscheidet sich jedoch von der durch Oxaliplatin verursachten Nervenschädigung.
- Ginseng: In einer RCT mit 438 Patienten mit kolorektalem Karzinom unter Chemotherapie führte koreanischer roter Ginseng (2 g pro Tag), eine verarbeitete Form von Panax ginseng, zu Verbesserungen der krebsbedingten Müdigkeit, insbesondere auch der Stimmung und der Gehfähigkeit (Abbildung 6). Das Sicherheitsprofil von Ginseng war insgesamt günstig. Kleinere Studien an Patienten, die eine Chemotherapie erhielten, berichteten ebenfalls von Verbesserungen der Stimmung, des Schlafs oder von immunologischen Markern durch die Einnahme von Ginseng. Das U.S. National Cancer Institute führte Ginseng sogar als potenzielle Behandlungsstrategie bei Fatigue auf, wenngleich die Belege hierfür noch nicht eindeutig sind.
- Grüntee-Extrakt: In einer großen RCT wurde der Grüntee-Extrakt EGCG (150 mg zweimal täglich) bei Patienten untersucht, denen kolorektale Adenome entfernt worden waren. In der Grüntee-Gruppe entwickelten 51,1 % der Patienten neue Adenome, verglichen mit 55,7 % in der Placebo-Gruppe – ein Unterschied, der statistisch nicht signifikant war. Ein möglicher Nutzen zeigte sich lediglich bei Männern (52,9 % vs. 60,4 %). Da die Entstehung von Adenomen nicht mit einem Rezidiv von invasivem Darmkrebs gleichzusetzen ist, liefert dies nur schwache Hinweise auf das chemopräventive Potenzial von Grüntee-Extrakt.
- Extrakt aus dem Schmetterlingsporling (PSK): PSK wurde hauptsächlich in Japan als Adjuvans zur älteren Fluoropyrimidin-Chemotherapie untersucht. In einer RCT aus dem Jahr 2004 war das 5-Jahres-krankheitsfreie Überleben bei Patienten mit Kolorektalkarzinom im Stadium II/III mit 3 g PSK pro Tag höher (73,0 % vs. 58,8 %). Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017, die 23 RCTs zu gastrointestinalen Tumoren umfasste, bestätigte ebenfalls die Vorteile von PSK hinsichtlich des krankheitsfreien und des Gesamtüberlebens. Eine neuere RCT aus dem Jahr 2024 zum Kolorektalkarzinom im Stadium II/III zeigte zwar ein höheres 3-Jahres-krankheitsfreies Überleben bei zusätzlicher Gabe von PSK (3 g pro Tag) über sechs Monate (82,2 % vs. 72,5 %), dieser Effekt war jedoch statistisch nicht signifikant. Schwere Chemotherapie Nebenwirkungen traten unter PSK etwas seltener auf, was darauf hindeutet, dass PSK die Verträglichkeit der Therapie verbessern kann.
Abbildung 6. Koreanischer roter Ginseng kann möglicherweise die durch eine Chemotherapie bedingte Müdigkeit lindern. Über einen Zeitraum von 16 Wochen berichteten Patienten, die koreanischen roten Ginseng einnahmen, im Allgemeinen von einer geringeren Verschlechterung ihres Zustands infolge von Müdigkeit als Patienten, die ein Placebo erhielten. Die Verbesserungen hinsichtlich der Stimmung und der Gehfähigkeit waren statistisch signifikant, während der Gesamt-Müdigkeitswert und andere Messwerte positive Tendenzen aufwiesen. Quelle: Kim et al. (2020), European Journal of Cancer.
Phytotherapie ist insgesamt eher als mögliche Linderung von Symptomen denn als bewährte Methode zur Rezidivprophylaxe zu betrachten. Bei Darmkrebs gibt es für Ginseng die relevantesten Belege zur Reduktion krebsbedingter Müdigkeit, während Curcumin indirekt gegen chemotherapiebedingte Neuropathie wirksam sein kann. Grüner Tee und PSK-Extrakte könnten zur Rezidivprophylaxe beitragen, die Evidenzlage ist jedoch noch unsicher. Phytotherapie stellt daher eine risikoarme Strategie mit potenziellen Vorteilen dar; ihre Anwendung sollte jedoch mit dem onkologischen Behandlungsteam besprochen werden.
Schlussbemerkungen
Für viele Patienten ist der Abschluss der Therapie nur ein Schritt auf dem Weg zur Genesung. Die Nachsorge kann die Behandlungsergebnisse weiter verbessern, insbesondere wenn sie individuell auf den Patienten abgestimmt ist. Bei Darmkrebs zeigt strukturierte Bewegung derzeit den größten Nutzen, während Aspirin vielversprechend für Patienten mit PI3K-veränderten Tumoren ist. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) ist ein starker Marker für das Rezidivrisiko, sollte jedoch noch nicht allein zur Änderung des Chemotherapieplans herangezogen werden. Die Behebung eines Vitamin-D-Mangels, eine gesunde Ernährung und die Anwendung ausgewählter Phytotherapien sind ebenfalls risikoarme Strategien, die sowohl der Rezidivprophylaxe als auch der Linderung therapiebedingter Nebenwirkungen dienen können, auch wenn die Evidenzlage hierzu weniger eindeutig ist. Schließlich ist die kontinuierliche Überwachung ebenso wichtig. Bluttests auf karzinoembryonales Antigen (CEA), Computertomographie (CT) und Koloskopie verhindern zwar kein Rezidiv, können es jedoch erkennen, solange eine weitere Therapie noch möglich ist. Patienten sollten daher ihre empfohlenen Nachsorgetermine wahrnehmen.






